Unser Erntebericht 2020

Auch im Winter 2019/2020 war von Eis und Schnee in der Pfalz nichts zu sehen, ein eindeutiger Trend der letzten Jahre. Sehr willkommen waren aber die überdurchschnittlichen Niederschläge im Februar, die endlich für etwas Bodenfeuchte sorgten. Nicht genug, um die Reserven in den tieferen Bodenschichten komplett aufzufüllen, aber immerhin eine kleine Entspannung.

Aufgrund der Wasserknappheit in den Böden, der stetig ansteigenden Mittagstemperaturen und vor allem der Spätfrostgefahr müssen wir unseren Arbeitsalltag regelmäßig den aktuellen klimatischen Gegebenheiten anpassen und reagieren. Als biologisch arbeitender Betrieb aus Überzeugung ist es für uns daher selbstverständlich und unerlässlich mit einer möglichst artenreichen Begrünung zwischen den Rebzeilen für eine gesunde Bodenstruktur und damit vitale Reben zu sorgen. Davon profitieren natürlich auch die Bienen sowie zahlreiche andere Insekten und Bodenlebewesen in den ersten Monaten des Jahres.

Mit dem relativ frühen Austrieb der Reben ab dem 7. April rückte dann die bereits angesprochene Spätfrostgefahr in den Vordergrund. Bei einer zu hohen Begrünung sind die Weinberge generell anfälliger für Frostschäden. Daher war der letzte Zeitpunkt die Begrünung in unseren Weinbergen zu mulchen am 14. April, in der Nacht fielen die Temperaturen dann selbst im Forster Ungeheuer auf minus 2 Grad. Ohne diese Maßnahmen wären die Frostschäden in unseren Weinbergen nicht so glimpflich ausgegangen, wie so oft im ökologischen Weinbau ist das richtige Timing entscheidend und immer einen Schritt voraus zu denken.

Auf unserer gut 2 Hektar Brachfläche – die nicht gemulcht wurde und erst im nächsten Jahr mit neuen Rebstöcken bepflanzt wird – durften sich immerhin zahlreiche Insekten an Phacelia und Inkarnatklee bis in den Sommer hinein erfreuen.

Noch im April haben wir neue Rebstöcke im Pechstein gepflanzt, den kompletten Drahtrahmen erstellt sowie die ersten anstehenden Arbeiten, wie z.B. Ausbrechen und Doppeltriebe entfernen, begonnen. Hierbei wurden wir in diesem Jahr tatkräftig von unseren Kollegen aus dem Hotel- und Gastronomiebereich unterstützt - eine für beide Seiten neue und schöne Erfahrung.

Das restliche Frühjahr und der Sommer waren - wie schon so oft in den letzten Jahren - bei uns an der Mittelhaardt viel zu trocken, die extreme Hitze blieb zum Glück aber aus. Vereinzelt gab es ein paar Tropfen Regen, die die Reben vital hielten und so konnten wir bereits am 24. August mit der Weinlese beginnen. Den Anfang machten wie immer die Trauben für unsere Sektgrundweine: Grau- und Weißburgunder gefolgt von Chardonnay und Spätburgunder. Mit zunehmender Reife folgte anschließend die Vorlese der Rieslinge für Sekt, sowie für unsere Guts- und Ortsweine. Aufgrund des beständigen Wetters konnten wir praktisch jeden Tag ernten, allerdings war unser Arbeitstag teilweise bereits mittags beendet, da es schlichtweg zu heiß wurde.

Ab Mitte September konnten wir jeden Tag in einer anderen Lage optimal gereifte Trauben für unsere Ersten Lagen und Große Gewächse selektiv lesen. Absolut makellose, gesunde Trauben kamen so auf unsere Presse und in den Keller. Leider waren uns in diesem Jahr - ohne die berühmte Edelfäule - hochreife Trockenbeerenauslesen nicht vergönnt, aber man kann ja nicht alles haben.

Gregor Hofer, Kellermeister und Geschäftsführer:
Wie so oft in den letzten Jahren hatten wir auch im Jahr 2020 einen frühen Start in die Lese, insbesondere unserer Sektgrundweine. Die Befürchtungen, dass wir eventuell zu geringe Säurewerte in den Mosten haben würden, haben sich glücklicherweise nicht bewahrheitet. Die selektive Handlese hat es uns ermöglicht auch in diesem Jahr wieder das Beste aus unseren Lagen herauszuholen. Die Qualität der Moste hat uns über alle Rebsorten hinweg begeistert, was in diesem Jahr durchaus nicht selbstverständlich war. Jetzt im November kehrt nach den arbeitsintensiven Wochen der Traubenlese langsam wieder Normalität in den Arbeitsalltag ein. Die Gärungen sind bei den meisten Weinen bereits abgeschlossen und die Jungweine dürfen sich nun in aller Ruhe entwickeln. Wir freuen uns schon jetzt darauf Ihnen unseren neuen Jahrgang 2020 vorstellen zu dürfen.

Christian Bohmüller, Außenbetriebsleiter:
2020 war ein entspannter sowie unaufgeregter Herbst, was neben dem fantastischen Lesewetter ganz sicher auch an unserer super Mannschaft gelegen hat. Angefangen bei den Erntehelfern – die Pandemie bedingt auf zwei Wohnstandorte aufgeteilt waren – weiter mit dem Außenbetriebsteam, das zuständig für den Transport, die Einteilung der Erntehelfer und die Qualitätskontrolle war. Weiter mit dem Team im Kelterhaus, dass für die reibungslose Verarbeitung der angelieferten Trauben zuständig war und last but not least die fleißige Kellertruppe, die den Most nach entsprechender Vorklärung in den entsprechenden Fässern und Edelstanks zu Wein verarbeitete. In allen Bereichen waren erfahrene Kräfte sowie sehr engagierte und interessierte neue Gesichter dabei. Es hat sehr viel Spaß gemacht!