UNSER ERNTEBERICHT 2018

Das Jahr 2018 wird uns in Erinnerung bleiben, soviel ist sicher. Denn 2018 ist ein Jahr der Extreme. Und wir sprechen hier nicht von Fußball, worauf in diesem Jahr das Attribut extrem ebenfalls bestens  passt. Oder von Politik. Wir sprechen vom Weinbau an der Mittelhaardt und dem Weinjahrgang 2018. Und der war durch und durch extrem, worüber wir uns aber, das sei schon an dieser Stelle vorausgeschickt, gar nicht mal beschweren möchten!

Der Jahresbeginn war feucht, um nicht zu sagen nass. Nach bereits akkumulierten 40mm mehr Niederschlag (im Vergleich zum langjährigen Mittel) im November und Dezember 2017 schien sich der Januar so richtig einzuregnen. So gab es bei milden Temperaturen im dritten Monat in Folge ein deutliches Niederschlagsplus, was sich, aber mehr dazu später, im weiteren Verlauf des Jahres als Glücksfall erweisen sollte. Der Februar brachte schließlich viel Kälte und Tiefsttemperaturen von bis zu -12,5 Grad, was ungewöhnlich kalt für unseren Teil der Pfalz ist. Auch der März war mit 4,8 Grad Durchschnittstemperatur alles andere als frühlingshaft und so schien alles auf einen späten Austrieb und ein vielleicht mal wieder etwas klassischeres Jahr hinzudeuten. Doch ab April gab Mutter Natur Vollgas. Die Durchschnittstemperatur lag 3,7 Grad über dem langjährigen Mittel und am wärmsten Tag des Monats kletterte das Thermometer auf 29,6 Grad. Außerdem war der April der bereits dritte Monat in Folge mit einem Niederschlag deutlich unter den Mittelwerten. Gleichzeitig gab es mit über 300 Sonnenstunden fast doppelt so viele Sonnenstunden wie im Vergleichszeitraum der Jahre 1991 bis 2010. Die Knospenschwelle fand in unseren wärmsten Lagen am 16. April und damit zu einem recht normalen Zeitpunkt statt. Die Natur hatte also sehr schnell den Rückstand aufgeholt, was sich mit der dann sogar schon verfrühten Rebblüte ab dem 24. Mai nochmals bestätigte. Juni, Juli und August bescherten uns ein Dauerhoch, Sonne satt, durchweg warme Temperaturen mit Höchstwerten bis 37 Grad. Das örtliche Freibad war in diesen drei Monaten die einzige feuchte Fläche, denn Regenwolken zogen immer konsequent an Deidesheim und Forst vorbei. In den Weinbergen gab es so keinerlei Pilzdruck und auch das Wachstum von Unkraut war durch die Trockenheit stark eingeschränkt. Aus weinbaulicher Sicht schien Trockenstress und mit der Trockenheit und Hitze einhergehende Ertragseinbußen das einzige Problem. Und wie schon in den Vorjahren, als andere Wetterextreme die Sorgenfalten tiefer werden ließen, bewies der Rebstock auch 2018 wieder eine unvorstellbare Widerstandskraft. Das hängt für uns auch maßgeblich mit unseren gesunden Böden zusammen, die dank biodynamischer Bearbeitung vor mikrobiologischer Vitalität strotzen und somit auch in extremen Witterungsbedingungen die Pflanze mit essentiellen Vitalstoffen versorgen. Unterstützen kann und sollte man die Natur dann aber doch, und so war unser Außenbetrieb ab Mitte Juli aktiv mit einer intensiven Grünlese beschäftigt, um dem Rebstock etwas Druck zu nehmen. Das führte in mancher besonders trockenen Spitzenlage zu einer Ertragsreduktion um bis zu 30 Prozent. Aber die Mühe und Mengenverluste waren es wert, denn die Beeren füllten sich mit Saft, als alle Wasservorräte im Boden längst verbraucht zu sein schienen. Die Zuckerwerte stiegen kontinuierlich an und das Aroma entwickelte sich sehr gut. So konnten wir dann auch am 21. August direkt im Anschluss an die Deidesheimer Weinkerwe mit der frühsten Weinlese unserer Geschichte beginnen. Bis auf einen Regentag blieb es dauerhaft sommerlich bis zum Ende der Lese am 27. September. An dieser Stelle mal ein kurzer Quervergleich zum Jahrgang 2013: damals hatten wir mit der Weinlese am 30. September begonnen! Und so ist es naheliegend, dass der Jahrgang 2018 ein kompletter Gegenentwurf des Jahrgangs 2013 ist.

Aber wie schmeckt er denn nun, der 2018er Jahrgang? Nun ja, bei uns liegen ja noch alle Weine im Fass und es wird auch noch bis Februar dauern, bis wir mit den ersten Füllungen beginnen. In dieser Zeit entwickeln sich die Weine ja noch enorm, sie gewinnen an Struktur durch den langen Hefekontakt, weswegen wir ja auch grundsätzlich nie im Erntejahr füllen. Aber eins zeigt sich schon nach den ersten Fassproben: 2018 schmeckt nicht wie ein heißer Jahrgang! Die üppigen Sonnenstunden haben zu einer sehr guten Fruchtausprägung geführt, ohne jedoch Üppigkeit oder Schwere zu generieren. Auch komplett durchgegoren (wie wir es ja gerne haben) sind die Alkoholgrade moderat und es gibt keine Form von Schärfe am Gaumen. Die Weissweine sind straff und wirken, ungeachtet der rein analytisch vergleichsweise niedrigen Säurewerte, frisch, beschwingt und animierend. Das ist, wenngleich der Grund im Jahrgang 2016 ein Überschuss an Wasser war und nicht ein Mangel, eine klare Parallele zur Sensorik der 2016er in diesem frühen Stadium. Auch damals hatten wir ein sehr frisches Mundgefühl, das auf deutlich mehr Säure hätte schließen lassen. Aber wie heißt es so schön: es geht immer um Balance. Und die hat 2018! Auffallend ist besonders bei den Rieslingen eine intensive Kräuterwürze, oftmals in Richtung zart angetrockneter Kräuter (wie beispielsweise Zitronenthymian) tendierend. Auch der Spätburgunder hat sich in seinen bei uns zelebrierten Facetten (Sektgrundwein, Rosé, Rotwein) sehr gut entwickelt. Besonders die Aromatik der Rosés ist schon jetzt wirklich betörend und lässt auf viel Trinkfreude hoffen.

Mathieu Kauffmann: ich bin wirklich froh, dass ich kein Rebstock bin – ununterbrochen Sonne, Hitze und wochenlang nichts zu trinken in diesem endlosen Sommer 2018. Es gab tatsächlich Momente, in denen ich gezweifelt habe, ob wir 2018 überhaupt etwas ernten können. Aber die Rebe ist unglaublich anpassungsfähig und hat sich dann doch wieder irgendwie selbst versorgt.