UNSER ERNTEBERICHT 2017

Hatten wir uns nicht alle einen kalten Winter gewünscht? Einen echten Winter mit Frost und Schnee, auf den dann ein sonniges, kühles Frühjahr folgt? So ganz klassisch mal wieder? Ausnahmsweise? Eins kann an dieser Stelle bereits konstatiert werden. Klassisch ist 2017 sicher nicht. Und das deutete sich schon früh an. Der Winter war kalt. Sehr kalt, an vielen Tagen mit Temperaturen unter dem Gefrierpunkt. Das ist immer mal wieder wichtig, damit sich die Natur richtig regenerieren kann. Aber der Winter 2016/2017 war auch sehr trocken, es gab kaum Niederschläge, auch wenn die erste geschlossene Schneedecke seit 2010 etwas anderes suggerieren könnte. Von Januar bis April baute sich bereits ein Defizit von 50mm weniger Niederschlag als im langjährigen Mittel auf. Und so begann der Zyklus im Weinberg dann auch nicht mit prall gefüllten Wasserreserven im Erdreich sondern mit gerade mal genug angesammelten Niederschlägen, um die erste Wachstumsphase in Gang zu bringen.

Die Knospenschwelle begann am 5. April in den wärmeren Lagen und die Tagestemperaturen stiegen bis an die 20 Grad-Marke. In der Nacht vom 19. April gingen die Temperaturen dann drastisch nach unten, die Tiefsttemperaturen in unseren Weinbergen lagen bei -5 Grad Celsius. Frostschäden schienen vorprogrammiert, doch wie durch ein Wunder blieben wir in dieser ersten Runde Frost gegen Reben komplett verschont. Ein blaues Auge gab es dann aber gleich ein paar Tage später, als nach Tageshöchsttemperaturen bis 26 Grad in der Nacht vom 23. auf den 24. April die nächste Frostwelle einsetzte mit Temperaturen bis -6 Grad. Und dieses Mal erwischte es Teile unserer Flachlagen in Friedelsheim, Niederkirchen und Ruppertsberg. Im Vergleich zu vielen Kollegen in nördlicheren Anbaugebieten hatten wir aber wirklich ausgesprochen viel Glück, denn die Schäden und Ausfälle sind überschaubar, wenngleich schmerzhaft. Nach diesem Kälteeinbruch zeigte sich Mutter Natur versöhnlich und brachte einen Monat Mai mit deutlich höheren Niederschlägen als in den Vorjahren.

Die Rebblüte setzte am 2. Juni und damit zu einem normalen Zeitpunkt ein. Heiße Tage mit Temperaturen bis 35 Grad und wochenlang kein Regen zeichneten den Juni aus. Am zweite Juli-Wochenende gab es dann endlich den überfälligen Niederschlag, wenngleich nur in homöopathischen Mengen. Gerade mal vier Liter konnten wir in Deidesheim messen. Am 11. Juli gab es einen kleinen Nachschlag von nochmals zwischen fünf und sieben Litern zwischen Ruppertsberg und Forst. Auch gingen die Temperaturen deutlich nach unten. Die Reben konnten sich nach heißen Tagen mit Sonnenscheinexzessen ein bisschen erholen und abkühlen. Gut gestärkt ging es im August auf die Zielgerade des Jahrgangs und am 28. August, so früh wie noch nie zuvor in der von Buhl’schen Geschichte, begannen wir mit der Weinlese. Den Auftakt machten dieses Mal Weißburgunder-Trauben in Friedelsheim für unseren Blanc de Blanc Prestige Sekt, die wir mit von uns so geschätzten hohen Säurewerten bei perfekter Reife ernten konnten. Es folgten Spätburgunder und Chardonnay, und in der ersten Septemberwoche ging es nach einem ersten kurzen Lesestopp am 2. September wegen kräftiger Niederschläge dann auch schon mit der Lese von Riesling für Sektgrundweine los. Zu diesem Zeitpunkt war bereits klar, dass wir uns nicht nur auf eine sehr frühe, sondern auch auf eine sehr kurze Weinlese einrichten mussten, denn die verschiedenen Weinberge wurden oft fast gleichzeitig reif. Keine Zeit zum Ausruhen also. Einzig zwei Regentage am 13. und 14. September und ein weiterer Tag Lesepause am Folgetag, damit die Trauben abtrocknen konnten, kamen dazwischen, ansonsten ging die Lese sieben Tage pro Woche voran.

Am 28. September kamen die letzten Trauben des Jahrgangs auf die Kelter. Zu diesem Zeitpunkt – das nur mal als Vergleich, wie unterschiedliche Jahrgänge sind – hatten wir 2013 noch nicht einmal mit der Weinlese begonnen! Was uns in den bisher fünf sehr unterschiedlichen Jahrgängen, die wir als neues Team erlebt haben, deutlich aufgefallen ist, ist die weiter gestiegene Anpassungsfähigkeit der Weinberge auf Wetterextreme. Die Böden sind in ihrer Vitalität durch die Umstellung auf biodynamische Bearbeitung nochmals gestärkt, die Gesundheit der Pflanzen spürbar verbessert. Ab dem Jahrgang 2018 sind wir dann übrigens auch komplett zertifiziert als biodynamisch arbeitendes Weingut. Das aber nur als Randnotiz. Uns geht es immer darum, die bestmöglichen Weine zu produzieren und unser Weg ist im Einklang mit der Natur.

Zurück zum Jahrgang 2017. Die Gärung verlief sehr gut und alle Weine ruhen jetzt wie immer ohne Schwefel auf der Vollhefe. Nach einer ersten ausführlichen Kellerprobe Ende November blicken wir nun sehr zuversichtlich auf die Zukunft des Jahrgangs 2017. In der Menge haben wir Einbußen zu verzeichnen, aber sie halten sich im überschaubaren Rahmen von etwa zehn Prozent. Dafür präsentieren sich die Weine sehr präzise, straff und frisch mit kühler Fruchtausprägung. 2017 ist nach den früher zugänglichen Jahrgängen 2015 und 2016 wieder ein Jahrgang, dem eine lange Reifung auf der Vollhefe zu Gute kommt um nicht zu sagen: er benötigt sie dringend! Das bestätigt uns wieder einmal in unserem Ansatz, alle Weine sehr spät zu füllen und den Lagenweinen ein weiteres Jahr Reife in unserem Keller zu gewähren. So stellen wir neben den bereits auf die späte Veröffentlichung umgestellten Herrgottsacker, Paradiesgarten, Musenhang, Reiterpfad Hofstück, Freundstück, Kirchenstück und Jesuitengarten nun auch die Lagen Mäushöhle, Pechstein und Reiterpfad In der Hohl auf den neuen von Buhl’schen Rhythmus um. Mathieu Kauffmann liebäugelt nach der Verkostung auch noch zusätzlich mit der Leinhöhle, ob wir auch sie ein weiteres Jahr zurückstellen entscheidet sich im März, wenn die Weine ein weiteres Vierteljahr der Reife hinter sich haben. In jedem Fall dürfen Sie sich auf 2017 freuen, egal wann er dann kommt. Und bei manchen Sekten trennen uns da bis zu zehn Jahre von der Markteinführung. Es lebe die Geduld…

Stimmen aus Weinberg und Keller:

Werner Sebastian: Ich glaube es gibt keine „normalen“ Jahrgänge mehr. Wir pendeln kontinuierlich zwischen heißen, trockenen und kühlen, sehr feuchten Jahren und allen Schattierungen dazwischen hin und her. Das führt aber auch dazu, dass jeder Jahrgang einen ganz eigenen Charakter bekommt und dafür habe ich den Beruf des Winzers immer geliebt. Schlechte Jahre hatten wir schon lange nicht mehr, nur Jahre mit immer neuen Herausforderungen.

Mathieu Kauffmann: In der Champagne besagt eine alte Regel „wenn Du glaubst, Du bist früh dran, fängst Du bereits zu spät an.“ Das habe ich immer im Hinterkopf. Wir haben am 28. August angefangen und hätten wir nicht vom ersten Tag an Vollgas gegeben, hätten wir am Ende das Nachsehen gehabt. Ich bin super glücklich mit der Qualität, die Säure ist fantastisch, ich liebe solche Jahrgänge – nicht während der Weinlese, aber danach!